Konzept für die zweijährige Eingangsstufe

Die in Hessen seit 1968 praktizierte Früheinschulung Fünfjähriger in die Eingangsstufe war ein wesentlicher Bestandteil der Grundschulreform. Kinder, die am 30. Juni des laufenden Jahres das 5. Lebensjahr vollendet haben, können ohne Feststellung der Schulfähigkeit aufgenommen werden.

An der Hölderlin–Schule wurde die Eingangsstufe 1970 eingeführt.
Diese zweijährige Eingangsstufe versucht dem Kind einen möglichst reibungslosen und sanften Übergang von der Vorschulerziehung zur Grundschularbeit zu ermöglichen. So wird in der Eingangsstufe an die Vorerfahrungen und –kenntnisse eines jeden Kindes angeknüpft, die vorschulische und schulische Erziehung sowie die Arbeit der Kindergärten mit der Grundschule sinnvoll in Einklang gebracht.

In seinem weiteren Schulleben muss ein Schüler nie wieder so viele Grundlagenkenntnisse erwerben wie im 1. Schuljahr. Durch den Besuch der Eingangsstufe haben die Kinder nun zwei Jahre Zeit – ohne Leistungsdruck – das Ziel des 1. Schuljahres zu erreichen. Sie erfahren auf diesem Wege keinen abrupten Wechsel von der überwiegend spielerischen Betätigung im Kindergarten zu schulischem Lernen, sondern werden mit der entsprechenden Gelassenheit Schritt für Schritt an den Schulalltag herangeführt.
Gerade zu Beginn werden viele bekannte Rituale aus dem Kindergarten aufgenommen und sukzessiv um schulische Gewohnheiten und Regeln erweitert. Insbesondere das Spielen nimmt in der E1 einen breiten Raum ein. Durch spielerisches, handlungsorientiertes Lernen und Zeiten zum freien Spiel werden die Kinder in ihrer Persönlichkeit geformt und hinsichtlich ihrer sozialen Kompetenzen gefördert. Kinder in dieser Altersstufe sind besonders aufnahmefähig und hoch motiviert etwas Neues zu lernen. Diesem Wissens- und Entdeckungsdrang wird insbesondere in der Eingangsstufe durch entsprechende Angebote Rechung getragen. Darüber hinaus werden die Kinder in besonderem Maße zu einem selbstständigen Verhalten und Lernen angeleitet.
Kindliches Lernen ist in diesem Alter ein Lernen mit dem ganzen Körper und mit allen Sinnen. Ein ausreichendes Maß an Bewegung ist daher die Voraussetzung für eine gesunde, körperliche und geistige Entwicklung.

Dem natürlichen Bewegungsbedürfnis der Kinder kann in der Eingangsstufe durch zahlreiche in den Vormittag eingebaute Bewegungszeiten sowie durch offene Lernsituationen und Unterrichtsmethoden in besonderer Weise flexibel begegnet werden.

1. Inhalte

Die Eingangsstufe hat zum Ziel

  • die Persönlichkeit jedes einzelnen Kindes zu stärken, indem bspw. emotionale Kräfte geweckt und kultiviert und die Erlebnis- und Ausdrucksfähigkeit vielfältig gefördert werden
  • soziale Verhaltensweisen aufzubauen, die das einzelne Kind befähigen, soziale Rollen zu übernehmen und in der Gruppe zu lernen, dabei aber auch seine Individualität einzubringen (Teamfähigkeit)
  • kognitive Leistungen anzubahnen und aufzubauen, indem allgemeine Fähigkeiten und Fertigkeiten - bspw. zum Erlernen der Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen - grundgelegt und erarbeitet werden
  • ein jedes Kind in seiner körperlichen Entwicklung und Wahrnehmungsfähigkeit zu unterstützen und zu fördern, indem ihm angemessene Bewegungsmöglichkeiten angeboten werden sowie gezielte Spiel- und Übungsformen zur Förderung der Sinneswahrnehmung zur Anwendung kommen.

Dem Sachunterricht kommt in der Eingangsstufe eine besondere Bedeutung zu, die sich durch den ganzheitlichen Charakter des Lernens begründet. So erfolgen viele sprachliche, aber auch mathematische Erarbeitungen in direktem Zusammenhang mit einem sachunterrichtlichen Thema.

Aufgrund des zeitlichen Rahmens ist es möglich, die Kinder durch Natur- und Ausflugstage, Back- und Kocheinheiten sowie Experimentierstunden für die Natur und ihre unmittelbare Umwelt zu sensibilisieren und ihnen eine aktive Auseinandersetzung zu ermöglichen.

Des Weiteren nehmen sowohl die kreative als auch die musische Erziehung einen großen zeitlichen Rahmen ein. Die Kinder sammeln im experimentellen angeleiteten Umgang mit Farben, Formen und Materialien individuelle Erfahrungen, die durch die Begegnung mit verschiedenen Instrumenten, Sing- und Bewegungsliedern weiter ergänzend ausgebaut werden.

 

2. Vorgehensweise

Zu Beginn der E1 liegt der Schwerpunkt auf dem Erwerb sozialer Verhaltensweisen, der Entwicklung der Persönlichkeit im Allgemeinen und hinsichtlich des Zurechtfindens im Rahmen des neuen sozialen Umfeldes „Schule“ („Schulkind“) im Speziellen. Parallel dazu wird die Basis zur Ausbildung grundlegender kognitiver Fähigkeiten gelegt. Die schulischen Inhalte treten im weiteren Verlauf zunehmend stärker in den Vordergrund.

Dem Bedürfnis der neuen E1-„Schulkinder“ Rechnung tragend, wird bereits in den ersten Wochen mit dem Leselernprozess und der Erarbeitung des Zahlenraums bis 20 begonnen.

Durch diesen frühen Beginn der Auseinandersetzung mit Lerninhalten wird ein langsames, intensives und viele Sinne ansprechendes Erarbeiten der geforderten sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten und Fertigkeiten ermöglicht. Dabei sind aufgrund der vorhandenen Zeit qualitative und individuelle Differenzierungen jederzeit möglich.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil des zeitlichen Faktors ist die Möglichkeit, sich der Motivation und Ausdauer der Schüler besser anpassen zu können. Dies spiegelt sich vor allem in einem flexibel gestaltbaren Schulvormittag wider.

 

3. Organisation (Tagesablauf einer E1)

Der Unterricht beginnt um 8:50 Uhr.

Im Laufe der Vormittages wechseln sich je nach Konzentrationsfähigkeit der Schüler sprachliche, mathematische und sachunterrichtliche Lerninhalte, sowie die musikalische und künstlerische Früherziehung der Kinder und Wochenplanarbeit ab. Dabei werden auch immer wieder Spiel- und Bewegungsphasen integriert.

Der Unterricht für die gesamte Klasse endet um 12:40 Uhr.

Ferner findet in der 1. Stunde Förderunterricht für einzelne Schüler oder Kleingruppen statt.

Stand 2012